Wie laste ich meinen Hund mental aus, ohne ihn zu überfordern?

Hunde mental auslasten - Suchspiele als sinnvolle Beschäftigung bei Spaziergängen

Hunde müssen körperlich und geistig ausgelastet werden, sonst werden sie krank: So weit sind sich die Fachleute einig. Bei der Frage, wie sehr man seinen Hund mental fordern darf, ohne ihn zu überfordern, gehen die Meinungen allerdings weit auseinander.

Wir möchten das Ganze aus der Sicht von langjährigen Hundehaltern betrachten, die sich seit langem persönlich und fachlich mit dem Thema beschäftigen: Wie lasten wir unsere Hunde mental aus, ohne sie zu überlasten? Im folgenden Artikel teilen wir unsere über Jahre gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse mit dir.

 

Straßenhunde haben Zeit

Wenn die ersten Sonnenstrahlen durch den Morgenhimmel brechen, beginnt für Rocky der Tag. Langsam öffnet er erst ein Auge, dann das andere, dreht sich ein paar Mal um die eigene Achse, wirft einen prüfenden Blick in jede Richtung und legt sich erstmal wieder hin. Nur mit der Ruhe, der Tag ist schließlich lang.

Es dauert noch eine ganze Weile, bis Rocky sich entschließt, endlich aufzustehen und seinen Verpflichtungen nachzukommen: eine Runde durchs Revier drehen, alte Bekannte begrüßen, die Grenzen markieren und nach etwas Essbarem suchen.

So eine Runde kann gut und gerne eine Stunde dauern, aber das macht nichts. Rocky hat Zeit, denn Rocky ist ein Straßenhund.

 

Familienhunde haben einen Zeitplan

Von freier Zeit kann Charly nur träumen. Er ist ein Familienhund und als solcher hat er einen straff durchorganisierten Tag: erst eine halbe Stunde joggen am Morgen, danach mit Frauchen zur tiergestützten Therapie, anschließend toben mit den Kumpels (vor allem, weil Frauchen gern mit den anderen Hundebesitzer ein Pläuschchen hält), ein paar Einheiten Dog Dancing, Agility und am Abend, wenn Papa nach Hause kommt, noch die große Runde neben dem Fahrrad. Schließlich muss Charly ordentlich ausgepowert werden, damit es ihm gut geht und er seinen Menschen nicht auf der Nase herumtanzt. Sagt Herrchen.

Dass Charly eigentlich schon am späten Vormittag die Faxen dicke hat und nur noch eine ruhige Stelle zum Schlafen sucht, davon wissen Herrchen und Frauchen nichts. Sie meinen es doch nur gut.

 

Hunde beschäftigen: Hundekopf auf Kurzarbeit

Dass ein Hund körperliche Betätigung braucht, steht außer Frage. Doch würde Rocky, unser Straßenhund, nur um der reinen Bewegung willen herumrennen? Keineswegs, denn Energie ist eine Ressource, die für einen wild lebenden Hund sorgfältig eingeteilt sein will. Daher rennen oder springen solche Hunde natürlicherweise er nur, wenn es einen guten Grund hat: beispielsweise um Nahrung zu suchen, ein paarungswilliges Weibchen zu finden oder den Nachwuchs zu beschützen.

Dagegen greifen viele Hundebesitzer tief in die Trickkiste, um ihre Vierbeiner in Bewegung zu halten. Stundenlang werden Bälle und Stöcke geworfen, Dummies apportiert, es wird gehüpft, gesprungen und gerannt.

Ergänzt wird diese Auslastung häufig durch das Trainieren von Tricks wie “Gib Pfötchen”, “Mach Rolle” oder “Stell dich tot” – laut Hundeverhaltensforscher Jan Nijboer ein unnatürliches und in der Regel unterforderndes Kopftraining.

Denn was bei all dem zu kurz kommt, ist die mentale Auslastung des Hundes, die Kopfarbeit. Das Lösen von Problemen, das Lernen durch Ausprobieren, das Schnüffeln und Erkunden, das Kommunizieren mit Artgenossen, die Entwicklung von Strategien für neue Aufgaben. Dabei ist die geistige Beschäftigung eines Hundes mindestens genauso wichtig wie das körperliche Training – wenn nicht wichtiger.

 

Ein geistig unterforderter Hund kann krank werden

Hunde sind nämlich nicht nur extrem soziale, sondern auch intelligente Tiere. Bis ins hohe Alter sind sie neugierig und in der Lage, erstaunliche Strategien zur Problemlösung zu entwickeln. Das Dumme: Wenn ihre kognitiven Fähigkeiten nicht gefördert und gefordert werden, verkümmern diese. Zudem setzt Langeweile ein, aus der Frustration und auch Problemverhalten entstehen können. Denn wird dem Hund das “sinnlose” Spazierengehen zu monoton, sucht er sich oft einfach selbst eine spannende Beschäftigung – wie Ausbüxen oder das Anpöbeln anderer Hunde.

Eine anhaltende Unterforderung kann beim Hund im schlimmsten Fall sogar zu einer ausgewachsenen Depression führen. Tierärzte sprechen auch vom Boreout-Syndrom (ein Konstrukt aus dem Englischen boredom = Langeweile).

Rocky, unser Straßenhund, kann da nicht mitreden. Langeweile kennt er nicht. Die Phasen, in denen er nicht schnüffeln, kommunizieren, markieren oder auf Nahrungssuche gehen muss, nennt er Ruhephasen und davon kann er gar nicht genug bekommen.

 

Übungen zur mentalen Auslastung deines Hundes

Es gibt eine ganze Menge an Übungen, mit denen du den Kopf deines Hundes fit halten kannst. Dabei geht es weniger darum, deinen Liebling zu bewegen. Vielmehr soll dein Hund einen Moment innehalten, nachdenken, sich voll und ganz auf eine Sache konzentrieren.

All das sollte in Zusammenarbeit mit seinem Frauchen oder Herrchen stattfinden – Hund und Mensch sollen ein Team bilden. So stärkst du gleichzeitig auch die Bindung zwischen dir und deinem Liebling. 

Eine Auswahl unserer Lieblingsspiele, um Hunde mental zu beschäftigen, findest du hier:

  • Suchspiele

Suchspiele gehören zu den einfachsten Übungen und können immer wieder mal in den Tag eingebaut werden. Das Konzept ist denkbar einfach: Frauchen oder Herrchen verstecken ein oder mehrere Leckeli, welche der Hund suchen muss. Es hilft, wenn dein Hund das “Bleib”-Kommando bereits kennt und du sein Sichtfeld verlassen kannst, um das Leckerli zu verstecken. Suchspiele können sowohl im Freien als auch im Haus veranstaltet werden. 

Zusatz-Tipp: Versteck dich bei einem Spaziergang mal hinter einem dicken Baum und lass dich von deinem Hund finden.

 

  • Futtersuche

Die Suche von Futter gehört für Rocky, den Straßenhund, zum Tagesgeschäft und ist ein angeborener Instinkt. Wenn du ein wenig Schwung in den Alltag deines Lieblings bringen willst, gib sein Futter in einen Futterdummy oder in einen Beutel und verstecke diesen. 

Mach es deinem Hund zu Beginn nicht zu schwer und verstecke das Futter nur hinter einer Wurzel oder in einem Laubhaufen. Später kannst du den Beutel auch in tiefer hängenden Ästen von Bäumen platzieren. Wichtig ist, dass dein Hund jedes Mal ein Erfolgserlebnis hat und das Futter findet, da dies sein Selbstwertgefühl steigert und seine Motivation aufrechterhält. 

 

  • Auspackspiele
Die meisten Hunde lieben es, Dinge auszupacken. Wickle ein Leckerli in ein wenig Papier oder lege verschiedene Snacks in einen lose verschlossenen Karton und beobachte deinen Hund dabei, wie er mit Köpfchen und Geschick Strategien entwickelt, um an die Leckereien zu kommen.
Wichtig: Stelle in jedem Fall sicher, dass dein Hund das Verpackungsmaterial und eventuelles Füllmaterial nicht frisst.

 

  • Denkspiele
Zwei undurchsichtige Becher und ein Leckerli – mehr braucht es am Anfang für einfache Denkspiele nicht. Am besten funktioniert es, wenn dein Hund vor dir sitzt und dir seine Aufmerksamkeit widmet. Stelle die Becher umgedreht auf den Boden und zeige deinem Hund das Leckerli. Danach legst du den Happen unter einen der Becher und gibst deinem Hund das Okay, danach zu suchen.
Wenn das nach ein paar Malen klappt, verschiebe die Becher wie ein Hütchenspieler, nachdem du das Leckerli platziert hast. Jetzt ist die Aufgabe schon nicht mehr so einfach und du kannst versuchen, deinen Hund mit Gesten in die richtige Richtung zu lenken.


In unseren Kategorien „Snacks für zwischendurch“ und „kleine Leckerlies“ findest du tolle kleinere Leckereien für unsere Lieblingsspiele.

 

Wie laste ich meinen Hund mental aus, ohne ihn zu überfordern?

 Während es einfach zu sehen ist, dass Hunde beim Spielen und Toben körperlich an ihre Grenzen kommen, verlieren viele Hundebesitzer:innen oft aus den Augen, dass sie ihren Liebling mit zu vielen Aktivitäten und Trubel auch mental überfordern können: Ein Hund, der keine Lust mehr hat, nach Leckerlis zu suchen, hört einfach damit auf. Doch wenn sein Tag so durchgeplant ist wie bei Charly, dem Familienhund, ist ein Rückzug für ihn meist nicht möglich und die Überforderung vorprogrammiert.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, solltest du alle Übungen zur geistigen Auslastung eher kurz halten und lieber über den Tag verteilen, als sie am Stück durchzuziehen. 

Ein gesunder, erwachsener Hund ruht und schläft zwischen zwölf und zwanzig Stunden am Tag, abhängig von Alter, Rasse, Gesundheitszustand und der individuellen Konfiguration. Rennen, springen und tanzen bis der Tierarzt kommt? Das ist für Rocky, unseren Straßenhund, reine Energieverschwendung. So oft es geht, gönnt er sich eine Ruhepause, die auch gerne mal ein paar Stunden dauern darf. 

Gönne auch deinem Hund neben all den spannenden und aufregenden Aktivitäten immer wieder Phasen, in denen er sich zurückziehen und ausruhen kann. Das gibt ihm die Gelegenheit, das Erlebte im Schlaf zu verarbeiten und neue Energie für Abenteuer zu tanken, die du für ihn vorbereitest. Außerdem kannst du so sicher sein, deinen Liebling mental nicht zu überfordern.

  

Wahre die Balance zwischen Ruhe und Auslastung

Die mentale Auslastung von Hunden ist wichtig, damit sie ihre kognitiven Fähigkeiten nicht verlieren. Nur ein Gehirn, das regelmäßig trainiert wird, bleibt auch bis ins hohe Alter fit. Langeweile führt schnell zu Verstimmungen, Teilnahmslosigkeit und im schlimmsten Fall zu Depressionen. 

Dabei solltest du jedoch auch darauf achten, deinen Hund mental nicht zu überfordern, denn nicht immer kann und wird er sich einfach zurückziehen, wenn es ihm eigentlich schon zuviel wird.

Damit es nicht so weit kommt, achte darauf, dass jede Übungseinheit mit einem Erfolgserlebnis beendet wird und gönne deinem Hund ausgedehnte Ruhephasen, in denen er sich von der geistigen Anstrengung erholen kann.

So sorgst du dafür, dass es deinem Liebling rundum gut geht, und dass das besondere Band zwischen euch mit jedem spannenden Spiel noch stärker wird.


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